(Überarbeitung und Erweiterung des Buchkapitels August 2008) Fritz Barth Dr. Johannes Widmann, 1512 Badearzt in WildbadDr. Johannes Widmann, genannt „der Möchinger“, ist um 1444 in Maichingen geboren (daher der Beinamen „Möchinger“ = aus Maichingen). Sein lateinischer Name „Salicatus“ leitet sich von „salix“ = Weide ab. Er verstarb am 31.12.1524 in Pforzheim im Alter von etwa 80 Jahren. Sein Grab ist in der Pforzheimer Stiftskirche. Von Pforzheim aus war Widmann Saison-Badearzt in Wildbad. Diese Tätigkeit ist für das Jahr 1512 nachweisbar und für weitere Jahre anzunehmen. An der Universität Heidelberg immatrikulierte er 1459. Magister artium wurde er 1463. In den Jahren 1463-1468 studierte Widmann in Pavia, Padua und Ferrara. Mit der Promotion schloss er 1469 sein Studium ab. Arzt in Ingolstadt und Ulm war er von 1469-1472. Markgraf Christoph von Baden berief Dr. Widmann 1475 zu seinem Leibarzt. Diese Tätigkeit übte er bis 1483 aus. Dr. Widmann war auch in Pforzheim und ab 1478 in Baden-Baden tätig, wo er den Markgrafen bei dessen Stadt- und Bäckerordnung beriet. Im Jahr 1483 zog Dr. Widmann nach Straßburg, um dort gegen Kurpfuscher und Quacksalber Front zu machen, sowie für eine Apothekerordnung und bessere Ausbildung von Hebammen einzutreten. Damals gehörte er zum bekannten Straßburger Humanistenkreis. Graf Eberhard V. im Bart berief ihn 1484 als Professor an die neu gegründete Universität Tübingen und 1493 zu seinem Leibarzt. „Des Herzogs berühmter Leibarzt“ durfte 1495 zusammen mit Johannes Reuchlin den württembergischen Grafen Eberhard V. im Bart zum Reichstag nach Worms begleiten, wo Graf Eberhard zum Herzog erhoben wurde. Dr. Widmann war auch Inspektor der württembergischen Siechenhäuser und Aufseher der Stuttgarter Apotheke. Sein besonderes Anliegen war damals die von den Matrosen des Christoph Columbus aus Amerika eingeschleppte Syphilis zu bekämpfen. Bereits 1496 schrieb Widmann ein Buch über die Syphilis und 1497 verfasste er sein Werk über die Pest. Eine Episode am württembergischen Hof ist erwähnenswert: Während der Arbeit an dem Werk über Syphilis war Herzog Eberhard schwer erkrankt. Dr. Johannes Widmann behandelte ihn. Retten konnte diesmal seine ärztliche Kunst den Herzog nicht. Er verstarb 1496. Nach dem Tod des Herrschers gab es Stimmen am Hof, die den Leibarzt verantwortlich machten am Hinscheiden seines fürstlichen Freundes. Widmann habe eine Fehldiagnose gestellt und ungeeignete Heilmittel verschrieben. „Kehrt euch nit gar an doctor Machinger …“ - gemeint ist Widmann im Brief der Gräfin Elisabeth von Württemberg an Markgraf Friedrich von Brandenburg - „… denn es ist das gemain geschrey in Schwaben, er hab Herzog eberhard ertod“. Man kann kaum fehlgehen, wenn man in diesem „gemain geschrey“ die Stimmen und Intrigen der Neider vermutet, wie R. G. Haebler in seiner Abhandlung schreibt. Ab 1512 war er Leibarzt des badischen Markgrafen Christoph I., der wahrscheinlich selbst an der sogenannten „Widmannschen Krankheit“ litt. Damals trat auch in unserer Region die Pest auf. Bemerkenswert ist, dass in Pforzheim von den 110 erhaltenen Gedenkmälern in der Schlosskirche, darunter 15 aus der Zeit vor 1400, keines auf die Seuche hinweist.
Mittelbar mit dem „schwarzen Tod“ zu tun hat jedoch die 1522 von dem damals in Pforzheim wirkenden Arzt Dr. Johannes Widmann gesetzte Tafel, die an eine Seelgerätestiftung erinnert. Auf der an einem Pfeiler der Nordseite angebrachten, von Renaissancearchitektur und Putti gerahmten Stiftertafel ist zu lesen: „An(n)o d(omi)ni 1522 hat der wirdig, hochgelert her Johan Widman, genant Möchinger, der Artznei doctor, Ain ampt von dem Hochwirdigen Sacrament des Fronlichnams unsers hern Jhesu christi allen Donerstag In ewigkeit zu Singen gestifft uff dem Altar der heiligen drey kunig.“ Für Wildbad ist von historischer Bedeutung, dass Dr. Widmann, der nur kurzzeitig als Badearzt wirkte, mit einer Schrift über Wildbad sein Lebenswerk abschloss. Sie hat den Titel: „Tractatus de balneis ferrinarum thermarum vulgo Vuildbaden“ auf deutsch: „Traktat über die eisenhaltigen Thermalbäder in Wildbad“. Gedruckt bei Joh. Rudolph Kammerer, Tübingen 1611. Die Namen der ersten Wildbader Badeärzte waren in der Alten Trinkhalle in Glassteinen verewigt. Frau Helga Widmann, Esslingen, die auch die Lebensdaten ihres Vorfahren zur Verfügung stellte, hatte sich nach dem Abbruch der Trinkhalle vergebens um den Glasstein ihres Vorfahren bemüht. Dieser und alle anderen waren plötzlich verschollen. Quellenangaben:
|
| Internetlinks zum Artikel |
Zurück zur Buchbeschreibung - Vorheriger Textauszug - Nächster Textauszug