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Fritz Barth
Die französische Besatzungspolitik im
deutschen Südwesten
in napoleonischer Tradition und nach „teile und herrsche“
Im deutschen Südwesten waren 1945/1946 viele Sozialdemokraten, wie in der sowjetischen Besatzungszone, bereit einen
engen Schulterschluß mit den Kommunisten einzugehen. Eine starke Antifa-Bewegung unterstützte diese
Verbrüderungsneigung, die sich bis zur Bereitschaft entwickelte, eine „Vereinigte Arbeiterpartei“ zu
gründen.
Dies war ein Alptraum für die französische Besatzungsmacht, obwohl in Frankreich, neben den Nationalisten auch
Sozialisten und Kommunisten mitregierten. Ihnen allen war gemeinsam, daß für Frankreich jeder deutsche Zentralismus
von Übel war, egal von welcher politischen Richtung er käme. Deshalb wäre eine
„Vereinigte Arbeiterpartei“, wie sie später in der sowjetischen Besatzungszone mit der SED entstanden ist, nicht hingenommen worden.
Auch das lange Sträuben der Franzosen gegen die Trizone, mit den amerikanischen und englischen Besatzungsgebieten,
liegt hierin begründet. Durch diese Einstellung wird erklärbar, warum die Neugründung der Sozialdemokratischen
Ortsgruppe in Calmbach im Spätsommer 1945 durch die Antifaschisten Otto Dürr, Wilhelm Dürr, Karl Barth, Hermann Barth
und Fritz Barth (Vater des Verfassers), vom Militärgouverneur Boulanger nach Beratung mit dem Gewerkschaftssekretär
Dagne, der für die SPD im Kreis Calw zuständig war, abgelehnt wurde. Französischer Militärgouverneur war in Calw
zunächst Boulanger, danach Frenot.
Die genannten Gründungsmitglieder haben während der Nationalsozialistischen Herrschaft bekanntermaßen den
Schulterschluß mit den Calmbacher Kommunisten gesucht und betrieben.
Die Neugründung der Calmbacher SPD-Ortsgruppe wurde dagegen dem Personenkreis um Gipsermeister Adolf Proß erlaubt, die
keine Zusammenarbeit mit Kommunisten geübt und auch nicht weiter vor hatten.
Alles in allem bleibt aber, daß auch die Französische Militärregierung in ihrer Besatzungszone sozialreformerische
Ansätze zeigte.
Die entgegengesetzten Maßnahmen der „Grande Nation“ säten in den Jahren 1945/1946 aber auch viel Haß durch
die auferlegten Hungerrationen, durch radikale Demontage unserer Fabrikeinrichtungen, durch die Abholzung ganzer
Wälder, durch die vielen Beschlagnahmungen von Wohnraum und Einrichtungsgegenständen und andere vielfältige
Willkürakte der Besatzungstruppen.
Voller Neid blickten wir auf die bessere Versorgung in der amerikanischen und englischen Besatzungszone.
Schauerlich berührten uns auch die Berichte von aus französischer Kriegsgefangenschaft heimkehrenden deutschen
Soldaten. In den franz. Gefangenenlagern, besonders in den Rheinauen, starben viele auf freiem Feld den Hungertod.
Andere brauchten nachher noch jahrelang um sich von den Entbehrungen zu erholen. Manche starben daheim an den Folgen der
Unterernährung, so auch Gerhard Proß, ein Schulkamerad des Verfassers.
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