|
C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)
Wie Calmbach und Höfen gelegen und beschaffen ist.
Wo die große und kleine Enz, die Zwillingskinder des Schwarzwaldes,
nach einem Lauf von je 4 Stunden sich verbinden, um fortan als ein Fluß
sich aus dem. Schwarzwald vollends hinaus die Bahn zu brechen, bildet
das Ineinandermünden ihrer Thäler eine ziemlich große Weitung in der
Mitte der hohen Gebirge. Einige kleinere Bächlein, welche, seitwärts
in der Nähe entspringen, der Würzbach sammt dem Blendenbächlein von
Südosten, der Calmbach von Osten, benutzen die Gelegenheit, sich auch
herzuzumachen und fügen die Oeffnung ihrer Thälchen der größeren
Lichtung gleichsam als Seitenräumlichkeiten bei. So bildet sich eine
Art von Thalknoten in der Gestalt eines etwas verschobenen Sterns mit
vier Verlängerungen nach. Nord, Südost, Süd und Ost. Herrlich
bewaldete Berge umstehen ihn; südlich der Meistern, mit weit
vorgesetztem Fuß und steiler Wand; westlich der Eiberg, in schöner
Perspektive Enzauf- und abwärts in staffelförmigen Fortsätzen sich
darstellend, nordöstlich der Hengstberg mit seinem Mantel von Föhren
und der Mütze von Eichen, östlich der Kälbling und etwas
zurückstehend südöstlich der Heimenhardt. Sie alle erheben sich 700
-1000 Fuß über die Thalsohle, zu weichen Formen, aber mit rauher
Oberfläche, da allerwärts der rothe Sandstein, welche ihre oberste
Schaale bildet, während ihr Kern Granit ist, in mächtigen zerstreuten
Blöcken zu Tage tritt. Als dunkler Mantel rauschen die Forste, meist
von Edeltannen und Föhren, sparsam mit Eichen und Buchen gemischt, an
ihren Seiten herab; nur an ihrem Fuße haben sie weniges Land dem
Ackerbau überlassen, großentheils nur die untersten Abhänge und
Hügel; das Thalbette bilden die saftigsten immergrünen Wiesen, und
durch sie hin eilt nöthig und geschäftig Fluß und Bächlein, und
hüpft jugendlich über die klargewaschenen Granitblöcke hinab, spielt
an künstlichen Weihern in silberschäumenden Strudeln. Es ist eine der
schönsten Gegenden des schwäbischen Schwarzwalds, großartig und
lieblich zugleich.
In diesen Thalkessel und seine Seiteneinschnitte hinein hat sich, um den
Zusammenfluß der kleinen und großen Enz und am Calmbächlein
hinaufgeschmiegt, das Dorf Calmbach gelagert. Es zerfällt in drei
ungleiche Theile, das sogenannte innere Dorf um die Kirche her, das
äußere Dorf zwischen der großen und kleinen Enz, und die Wart,
jenseits der großen Enz am Fuß des Eibergs. Einige Sägmühlen
vertheilen sich noch außerhalb des Dorfs als seine Parzellen an den
Bächen hin, die Aeulessägmühle und Zimmersägmühle an der kleinen
Enz, die Bömlessägmühle an der vereinigten Enz; thalaufwärts eine
Viertelstunde entfernt liegt die Parzelle Spiesfeld (Brunnenhäuschen),
ebenso weit enzabwärts die Ziegelhütte in der Nähe des sogenannten
Leimenackers, im Calmbachthälchen versteckt sich noch ferner als die
Kunstmühle, schon auf Schömberger Markung, dem sogenannten Tannwald
nahe, die Tannmühle.
|

|
|
Calmbach,
Blick vom Eiberg um
1830 |
Eine halbe Stunde nördlich von Calmbach aber, an einer der reizendsten
Stellen des Thals der vereinigten Enz, wo aus einer Seitenschlucht des
Gebirgs das Forellenbächlein (Forlenbach) in starkem Fall sich in sie
ergießt, liegt Höfen, das Filial von Calmbach; in einzelnen
Häusergruppen, von denen nur die „Hofraite“ durch einen
besonderen Namen ausgezeichnet ist, umgibt es die Enz auf beiden Seiten
zum Theil den Berg hinaufkommend, und streckt sich beinahe bis zu der
Gegend hin, wo aus hochragenden Bergen hervor die Eyach sich in die Enz
wirft; ohne Zweifel das freundlichste, säuberlichste,
niedlichstgelegene Dörflein des ganzen württembergischen Schwarzwalds.
Calmbach, das mit Höfen den hauptsächlichen Sitz der Flößerei und
des Holzhandels, und wesentlich eine Flößergemeinde bildet, hat eine
Bevölkerung von 1650 Seelen. Man zählt unter den 306 activen Bürgern
gegen 100 Holzhauer und Taglöhner, 62 Flößer, 20-30 Holzfuhrleute,
ein Duzend Holzhändler, 15 Maurer, 18 Schuster, 8 Bäcker, 3 Müller, 1
Kunstmüller, 1 Mehlhändler, 8 Metzger, 5 Zimmerleute, 5 Schreiner, 6
Schneider, 3 Schmiede, 4 Leineweber, 3 Fischer; 1 Sargenschneider
(Siebmacher), 1 Glaser, 1 Kübler, 2 Wagner, 1 Drechsler, 1 Ipser, 2
Küfer, 1 Kupferschmied, 1 Seifensieder, 1 Sattler 1 Schlosser, 1
Nagelschmied, 1 Pflästerer, 1 Potaschensieder, 1 Ziegler, 1 Rothgerber,
3 Kaufleute, 4 Schildwirthe, 5 Schenkenwirthe, 2 Bierbrauer, sodann ist
1 Posthalter, 1 Revierförster, 1 Forstwart, mehrere Waldschützen, 1
Floßinspektor, 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer, 1 Lehrgehülfe, endlich
Pfarrer und Schultheiß aufzuzählen. Diese wohnen in 104 Wohngebäuden
mit 44 Scheuern. 7 Sägmühlen, 3 Mahlmühlen mit 1 Kunstmühle, 1
Ziegelhütte, und 1 Siederei für holzsauren Kalk Theer u.s.w. (den
Herren Engelmann und Böhringer gehörig) sind im Betrieb.
Die Ortsmarkung umfaßt 6444 Morgen, darunter 1091 M. Gemeindewaldungen,
4499 M. Staatswaldungen, der Rest von 1054 M. vertheilt sich auf Wiesen,
Feldstücke und sonstiges Areal. Im Orte sind 4 öffentliche und 4
Privatbrunnen vertheilt, welche beständig laufen.
Seine geographische Lage ist 48°, 47' N.Br. 26°, 15' 0.L. 1239 Pariser
Fuß über’m Meer; in gleicher Höhe mit dem Schloß in Neuenbürg, mit
der Kapelle auf dem rothen Berg, mit Hohenheim bei Stuttgart, und mit
dem Boden des Observatoriums auf dem Tübinger Schloß.
Höfen liegt 90' tiefer, es hat eine Bevölkerung von 550 Seelen (somit
die ganze Parochie 2200). Die Bürgerschaft besteht aus 23 Flößern, 17
Hauern, 9 Holzhändlern, 3 Wirthen, 2 Krämern, 12 Handwerkern, woneben
20 Wittwen. Die Markungsfläche umfaßt 2981 Morgen, worunter 1450 M.
Staatswald, 1000 M. Gemeindewald, 225 M. Wiesen, 85 M. Aecker, 15 M.
Gras und Baumgärten. Die Anzahl der Wohngebäude beträgt 53, worin 91
Familien wohnen. 3 Sägmühlen sind im Betrieb. Die Wurz und Obstgärten
sind trefflich cultivirt. Die Viehzucht hebt sich, seitdem das Weiden
wieder eingeführt ist bedeutend.
Eine Stunde unterhalb Höfen liegt die Oberamtsstadt Neuenbürg, eine
Stunde oberhalb Calmbach liegt Wildbad. Südöstlich jenseits der Höhen
in der Entfernung von drei Stunden liegt Hirsau und Calw, östlich in
gleicher Entfernung Liebenzell. Vier Stunden sind es bis Pforzheim (zwei
bis zur badischen Grenze), und zehn Stunden nach Stuttgart.
|