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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)

Wie unter Ulrich auch der Schwarzwald unruhig wird.

Das 16. Jahrhundert begann damit, daß rings umher im Schwarzwald und außerhalb desselben die Pest wüthete (1501) namentlich in Calw und Pforzheim; da blieb das Enzthal schwerlich unberührt.
 
Vielleicht im Zusammenhang damit stand ein merkwürdiges Geschenk welches dasselbe Jahr brachte. Der Abt Blasius nemlich, übrigens einer der besten Aebte, hatte sich vom päbstlichen Bevollmächtigten Raimund für sein Kloster und alle seine Untergebenen vollkommenen Ablaß ausgebeten und erhalten; derselbe kam daher wohl auch den Calmbachern zu gut. Damit war’s noch nicht genug; als derselbe päbstliche Legat nach Hirsau kam und ihm zu Ehren ein Trauerspiel aus der Passionsgeschichte aufgeführt wurde, schenkte der Kardinalfreigebig einem jeden, der mit Andacht diesem Schauspiel beiwohne, Sünden-Vergebung auf 20 Jahre. Daß da das Zuströmen groß war, läßt sich denken. Viele Tausende sahen zu um diesen Preis. Allein diese Ablaß- Geschichte deutete auch an, welche Zeit es war in der Welt-Geschichte.
 
Der Ablaß war bald das Wohlfeilste, was es zu dieser Zeit gab. Ein Nachlaß der mancherlei Lasten, welche das Volk drückten, wäre wünschenswerther gewesen. Denn die folgenden Jahre, da Herzog Ulrich Herr war, brachten Noth und Verwirrung, wie für das ganze Land, so auch für den Schwarzwald.
 
Auch dieser theilte die Unzufriedenheit mit den unsäglich drückenden Auflagen. Besonders war es neben den allgemeinen Lasten der Wildschaden und der Uebermuth der Jäger, worunter die Umwohner der großen Forste litten. Dazu kamen mehrere Mißjahre und zu ihnen noch eine neue ganz ungewohnte Steuer auf Fleisch, Wein und Früchte, was alles der Schwarzwälder ohnehin mit baarem Gelde auswärts kaufen mußte. So regte sich frühe der Geist des Widerstands in der Calwer Gegend; und auf dem Lande umher war die Stimmung keine zufriedene. Damals war im Badischen schon lange der Bauernbund des Bundschuhs errichtet, von welchem die Lehren ausgingen, welche allezeit auf dem Schwarzwald Anklang gefunden haben, daß Holz, Feld, Wasser, Vögel, Fische und Gewild den Armen und den Reichen gemein sey; den Armen gebühre der Ueberfluß der Klöster und der Geistlichen, der Reichen überhaupt u.s.w., und mit diesen badischen Aufrührern, die an der ganzen Länge des Schwarzwalds hin ihre Versammlungen hatten, standen besonders die Enzthäler immer im Verkehr, und der Geist der über der Grenze wehte, mußte auch sie berühren. Als daher im Jahr 1513 im Remsthal sich der „Arm Conrad“ erhob, und von dorther auch Briefe auf den Schwarzwald kamen, so ließen sich auch hier viele zum Zeichen ihrer Theilnahme das Haar scheeren und den Bart wachsen, und hielten sich bereit, mitzuziehen, wenn der arme Conrad ins Feld rücke.
 
In Wildbad, das 1509 wieder zur Hälfte abgebrannt war und eben neu sich aus der Asche erhob, berieth nun zwar das Gericht die Beschwerden, die man dem allgemein begehrten Landtag vorlegen wollte, und auch in Neuenbürg herrschte Mäßigung. Allein in Wildbad hatte sich das Gericht nicht wie anderwärts durch außerordentliche Mitglieder verstärkt; darum drangen die Dörfer nun darauf, durch eigene Abgeordnete vertreten zu seyn, und. ließen durch diese ohne Beiseyn des Gerichtes ihre Beschwerden aufnehmen; zu Calw fand eine große unruhige Versammlung von Landleuten Statt, welche verschiedene Artikel der Regierung zu Gemüthe führen wollten; auf der Seite des Enzthals aber rückten am 4. Juni 1514 die Dörfer des Neuenbürger Amts auf den Wasen vor das Städtchen, das ihnen die Thore verschloß, und. riefen denen drinnen zu, was sie denn für Weiber seyen, daß sie so still sitzen und nicht auch sich rühren, wenn die gemeine Landschaft allerwärts aufstehe.
 
Indessen geschah, was geschehen durfte. Der Tübinger Landtag wurde einberufen. Calw, Wildbad und Neuenbürg schickten je einen Abgeordneten hin, dem das Landvolk seine Aufträge noch besonders mitgab. Demgemäß drangen die Gesandten namentlich auf Beschränkung der Forstleute, auf Abthun des Wildschadens, auf Aufhebung der Verpflichtung die Jagdhunde zu füttern, deren z.B. auch Calmbach mehrere in Kost hatte, wie es überhaupt von den beklagten Lasten allen auch betroffen war. Auch wurde der Tübinger Vertrag geschlossen und Abhülfe verheißen. Allein als neue Huldigung begehrt wurde, verweigerte das Amt Wildbad dieselbe, weil bei Leonberg und im Unterlande, wohin besonders die Flößer des Thals ihr Verkehr immer führte, in Vaihingen, Enzweihingen u.s.w. die aufständische Bewegung noch fortdauerte, und besonders war ein Dr. Seiz von Marbach da, der zum Widerstand aufwiegelte. Als das Städtchen Wildbad am Ende schwören wollte, so litten es die Leute vom Amte nicht.
 
Indessen aber erlag der arme Conrad im Remsthal. Da schritt der Statthalter von Neuenbürg, Rainhard von Neuhausen, auch gegen die unruhigen Köpfe im Enzthal mit Gewalt ein. Der Doctor Seiz, der verhaftet werden sollte, entwich in die Schweiz; der Unmuth verstummte für eine Weile und sah unter der greulichen Noth der damaligen Zeit in Hunger und Erdbeben nur finster schweigend zu, wie Ulrich sich immer tiefer ins Verderben hineinrannte. Als er aber im Jahr 1519 vor dem schwäbischen Bunde aus dem Lande fliehen mußte, hat ihn Niemand betrauert.
 

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