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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)

Wie die Reformation eingeführt wird.

Eine Freiheit in höherem Sinne brachte Herzog Ulrich bei seiner Wiederkehr 1534; die Information. Schon die kurze Herrschaft von Sickingen, einem getreuen Anhänger von Luther, kann eine Zeit der Vorbereitung auf die Reformation gewesen seyn; ihre Wirkung aber wurde jedenfalls durch die österreichische Vorsicht wieder unterdrückt. Allein im Jahr 1534 kam Herzog Ulrich wieder unterstützt von Landgraf Philipp von Hessen, siegte bei Laufen im Mai, hatte in 14 Tagen sich seines ganzen Landes wieder bemächtigt, und nun war seine erste Sorge die Kirchenverbesserung. Bis zum Frühjahr 1535 war sie in Stuttgart und Tübingen vollendet, im Anfang desselben Jahres begann sie auch im Kloster Hirsau. Dorthin schickte der Herzog einen sogenannten Lesemeister, der das Evangelium zu predigen hatte und es auch that unter ungeheurem Zulauf und Beifall. Am 5. März legte der Abt Johann III. seinen Hirtenstab nieder, und lebte nur noch als Privatmann mit einer Leibrente des Klosters; die Mönche wanderten aus und für das Einkommen des Klosters, also auch über die Calmbacher Wälder u.s.w. wurde ein eigener herzoglicher Verwalter gesetzt. Nun wurde allerwärts das heilige Abendmahl unter beiderlei Gestalt gefeiert, das Evangelium deutsch gepredigt, das Meßopfer abbestellt. Das geschah zu gleicher Zeit in Wildbad und Calmbach. Auch Herrenalb wurde reformiert, nachdem der Abt. der mit 30000 fl. hatte durchgehen wollen, gefangen gesetzt und sämtliches Kloster-Eigenthum in Beschlag genommen worden war, also auch die Herrenalber Güter auf dem Eiberg. So war schon um die Mitte des Jahres 1535 die ganze Gegend evangelisch und freue sich eben so sehr des neugeschenkten Lebensbrodes und der Erquickung des neuverkündeten Gotteswortes, als des im Ueberfluß gewachsenen Korns und Weins zu leiblicher Nahrung, die das Jahr 1536 mit seiner ungemeinen Sonnenwärme gedeihen ließ!
 
Freilich wurde im Jahr 1548 nach dem unglücklichen schmalkaldischen Krieg, durch das sogenannte Interim, d.h. eine einstweilige Bestimmung, wie es mit der Kirche zu halten sey, der katholische Abt wieder auf kurze Zeit eingesetzt, die Messe wieder eingerichtet, dem Prälaten Johann alle Dörfer, Renten, Zinse, Gülten u.s.w. wieder eingehändigt, und ein Schreiben des Herzogs sprach alle des Klosters Schultheißen und Unterthanen und Zugewandten, die ihm, dem Herzog, bisher mit Pflichten zugethan gewesen, davon frei, nur mit dem Vorbehalt der Erbhuldigung. Und dieß unglückliche Verhältnis bestand auch noch als Herzog Ulrich im Jahr 1550 seinen letzten Besuch in Wildbad machte, von wo er krank nach Tübingen geführt wurde und starb. Allein im Jahre 1552 machte der Passauer Vertrag auch diesem Zustande ein Ende und von nun an herrschte evangelische Lehre und protestantische Kirchen-Einrichtung.
 
Als im Jahr 1553 Neuenbürg Stadt und Amt samt Jagd und aller Obrigkeit von dem Herzog Christoph, der auch mehrfach in dieser Gegend verweilte, seinem Vetter, dem Grafen Georg überlassen wurde, zu welchem Zweck das jetzt noch stehende Schloß von Neuenbürg an die Stelle einer alten baufälligen Burg, erbaut wurde, von welch letzterer nur noch das große epheuübersponnene Gebäude hinter dem Schlosse übrig ist, - so trug auch dieß zur Sicherung der jetzt angenommenen Zustände das Seinige bei; obgleich diese Herrschaft nur wenige Jahre dauerte.
 


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