C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)
Wie es nach dem Kriege aussah.
Unsägliches Elend übernahm der Friede wieder gut zu machen;
nicht überall und nur langsam gelang es.
Die ganze Umgegend war entsetzlich verödet, viele Dörfer und
Weiler auf dem Wald, welche in alten Urkunden noch genannt werden, sind
von dieser Zeit an gänzlich verschollen. Wenn vom Dorf und Schloß Eiberg
bis dahin noch etwas vorhanden war, so ist es jetzt vollends bis zu den
geringen noch zu findenden Spuren zerfallen; unter diesen zeichnet sich
nur der Rost einer Cisterne aus, der sich noch erkennen läßt.
So schlecht aber waren die Zeiten, so gering die Mittel und wohl auch
die Bevölkerung so dünn geworden, daß Wildbad bis ins
Jahr 1662 in seinen Trümmern liegen blieb und erst dann der abgebrannte
Theil wieder ergänzt wurde. Da auch die Kirche verbrannt war, so
sollen damals die Wildbader eine Zeitlang nach Calmbach in die Kirche
gegangen seyn.
In Calmbach und Höfen war die Zahl der Einwohner furchtbar herabgekommen.
Im Jahr 1637 kamen nur drei Taufen vor, im Jahr 1639 vier, 1640 fünf
1641 fünf, 1642 acht, 1643 zu Calmbach vier, zu Höfen eine,
während auch Kinder von Dobel nach Calmbach zur Kirche gebracht
werden, wahrscheinlich, weil auch dort die Kirche zerstört war,
wie zu Herrenalb schon lange. Im Jahr 1644 sind es fünf Taufen von
Calmbach, eine von Höfen, 1643 sechs von Calmbach, keine von Höfen,
1646 von Calmbach fünf von Höfen eine, und 1647 endlich von
Calmbach sieben, eine von Höfen. In diesem Verhältnis geht
es viele Jahre fort, und ergibt sich daraus, daß die Seelenzahl
um mehr als die Hälfte geschmolzen war.
Unter den Ueberlebenden aber war eine entsetzliche Verwilderung und Entsittlichung
eingerissen. Uneheliche Kinder, die bis jetzt sehr selten waren, mehren
sich jetzt auffallend; mehrmals berichten die amtlichen Bücher über
treuloses Verlassen der Angehörigen, über Abfall zur katholischen
Religion, auch ein Meuchelmord wird erwähnt, den 1651 ein Jakob
Bodamer mit noch zwei Andern verübt hat; derselbe entfloh aber,
als er zu Neuenbürg enthauptet werden sollte, aus dem Gefängnis
und kam nicht wieder.
Indessen reizte so manche leergewordene Stätte in so günstig
gelegenem Orte zu neuer Einwanderung, und so kamen gerade in dieser Zeit
einige neue Familien hier auf welche zur Vermehrung der Seelenzahl wieder
reiche Beiträge liefern. Besonders zwei sind bemerkenswerth, die
bald zu den angesehensten des Orts gehören, die Familie Kiefer und
Barth. Im Jahr 1640 kommt Veit Kiefer von Feldrennach herüber, wird
im Jahr 1652 Schultheiß und erhält durch seine zwei Söhne
eine starke Nachkommenschaft. Im Jahr 1643 aber wandert Joh. Jakob Barth,
katholisch, von Fohrbach herein, heirathet eine Salome Bott und tritt
zugleich mit der Trauung zur evangelischen Kirche über 5 p. Epiph.
Er erzeugt 8 Kinder, darunter 5 Söhne und wird dadurch der Stammvater
sämtlicher in Calmbach und der Umgegend befindlicher Barthen in
ungewöhnlich reicher Deszendenz, so daß bald die einzige Barthische
Familie fast den vierten Theil der ganzen Einwohnerschaft ausmacht. Andere
Familien sind die Vollmersche, welche im Jahr 1636 dem Ort einen Schultheißen
gibt, wie ein anderer Vollmer Wirth ist; eine Familie Kappler ist um
1637 von Ischerlohn eingewandert, eine zweite gleichen Namens kommt 1676
von Dobel her dazu. Ein Moschütz endlich, ein Maurer von Zapfnitz
in Böhmen, tritt 1650 zur evangelischen Lehre über und läßt
sich in Calmbach nieder.
Pfarrer waren:
M. Lucas Osiander von 1647 - Nov. 1649.
Theodor Bischoff von 1649-1651.
Conrad Weidenstetter von 10. Mai 1651 -
17. Aug. 1652.
Ulrich Lustnauer von Balingen vom
Aug. 1652-1657.
Balthasar Schubin 1657-1662.
Sebastian Hartmann 1662-1670.
Rud. Reichenbach 1670-1675.
Friedr. Weidner 1675-1677.
Jak. Kerner 1677-1681.
Wilhelm Gentner 1681 starb nach vier Wochen.
Paul Daser, Martini 1681-1689.
Friedr. Hoffmann von Eningen 1689-1700.
Schultheißen sind:
Joh. Dreher 1637.
Mich. Dittes bis 1639.
Andreas Störzer bis 1647.
Veit Kiefer bis 1662.
Mich. Rau bis zu seiner Zurücksetzung 1666.
Lorenz Bott bis 1680.
Ihm folgt Elias Kappler, der nach langer, strenger Amtsführung wohlgeachtet
zur Ruhe geht; worauf ihm zu ebensolanger Amtsführung folgt Georg
Lorenz Schnaufer bis 16. Dezember 1722.
Auch die Schulmeister jener Zeit können genannt werden. 1622 Ulrich
Haug, 1652 Isaak Abel, von Gernsbach herübergekommen; und 1671 Schulmeister
Baumgart. Die Besoldung des Schulmeisters, welche 1671 zum erstenmal
angegeben wird, wurde damals mit Willigen jeden Bürgers auf 20 fl.
erhöht, wozu im Jahr 1675 weitere 5 fl. kommen für wöchentlich
zweimalige, am Dienstag und Freitag zu haltende Sommerschule; 1677 weitere
5 fl. auf Befehl der Synode. Zu bemerken ist jedoch, daß jeder
Schulmeister nebenher noch ein Handwerk getrieben zu haben scheint. Die
Höfener Kinder müssen nach Calmbach in die Schule.
Das Erfreuliche, was aus dieser Zeit zu berichten ist, ist der allmählich
wieder bemerkbare Aufschwung des Holzhandels. Zur Regelung desselben
und zur Beaufsichtigung der Ausübung des Flußrechts, das ein
Regal ist, ganz besonders aber zur Leitung des Scheiterfloßes,
der das Unterland mit Brennholz versehen muß, ist ein herzoglicher
Holzfactor oder Floß-Obmann im Enzthal angestellt, dessen Sitz
bald Enzklösterle, bald Wildbad, bald Calmbach gewesen zu seyn scheint.
So wird genannt Jakob Vollmer, fürstlicher Oberschiffer bei der
Holzfactorei in Wildbad. Was den Langholzhandel betriff t, so war es
besonders eine Pforzheimer Handelsgesellschaft, welche desselben sich
bemächtigt hatte, und bei der sich auch die Enzthäler Schiffer
betheiligten, als deren Namhafteste in Calmbach Hans Bott, zugleich Rößleswirth
- die erste Spur vom Rößle, - in Höfen Schiffer Eberlin
erwähnt werden. Diese fiengen damals an auch mit größerem
Holz, denn früher, die Wasserstraße zu befahren, und um nun
die Enzthäler Arbeiter die Behandlung desselben zu lehren, wurden
aus Tirol eigene Holzhauer herbeschieden, deren eine Anzahl um das Jahr
1650 schon in Calmbach vorhanden ist. So ein Kalchgruber aus Steiermark,
der sogar zur evangelischen Kirche übertritt, ein Veit Ilmer und
Thurner, welche sich zu Calmbach, ein Rechthaler aus Tirol, welcher sich
zu Höfen aufhält. Bis heute noch schreibt sich von ihnen der
Gebrauch der sogenannten Tiroler-Aexte beim Holzfällen her. Auch
hieng mit dem vermehrten Holzhandel die Erbauung einer neuen Sägmühle
zusammen, „des Barthen Sägmühle, auf dem Aeulein“ an
der kleinen Enz, kurz weg die Aeulessägmühle genannt, wohl
auch die Alte, im Gegensatz gegen die späteren. Der vorhin genannte
Joh. Jakob Barth hat sie erbaut, 1677. Ihre Eröffnung war mit einem
Unglück verknüpft. Hans Bodamers achtjähriger Sohn kommt
unter das Rad, das ihm das Herz zerdrückt.
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