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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)
Was aus den ältesten Kirchenbüchern zu entnehmen ist.
Ums Jahr 1558 ordnete Herzog Christoph die Anlegung von Kirchenbüchern
an. Bis auf das Jahr 1560 gehen diejenigen von Calmbach zurück (Das älteste
war im Jahr 1840 gänzlich zerfallen, die Blätter herumgestreut.
Pfarrer E. sammelte sie und lies sie binden; das erste Blatt jedoch ist
verloren.) Darum ist über manche Verhältnisse jetzt erst nähere
Nachweisung möglich.
Nach den Kirchenbüchern nun bestehen ums Jahr 1560 Calmbach und
Höfen. Calmbach darf als eine Gemeinde von etwa 350 Seelen angenommen
werden, da im Jahr durchschnittlich 12-14 Taufen verzeichnet sind;
Höfen erscheint als der Hof bei Calmbach, eine Benennung, die sich
heute noch im Munde des Volks erhalten hat: zum Hof. Aus den Kirchenbüchern
ist die erste Nachricht davon zu erheben. Jährlich im Durchschnitt
zwei Geburten lassen eine Seelenzahl von 40 — 50 Seelen vermuthen.
Welcher Theil vom jetzigen Höfen der ursprüngliche gewesen
sey, ist nicht zu ermitteln; wir vermuthen, die Hofraite nebst den Häusern
links von der Enz am Berg.
Die Familien, welche zu jener Zeit beide Orte bevölkerten, tragen
zum Theil jetzt gänzlich verschollene Namen. Von den jetzt noch
blühenden sind die beiden Aeltesten und am häufigsten genannten
die Familie Bott 1560 und Bodamer, damals zu Calmbach ansäßig.
Die Bodamer sollen einer Sage nach nicht lange vorher eingewandert seyn
und ursprünglich aus der Schweiz stammen, von wo sie nach der Schlacht
bei Kappel um ihres evangelischen Glaubens willengeflohen seyen; ihre
Verwandten seyen die jetzt noch blühenden Bodamer in der Schweiz.
Unter ändern Calmbacher Geschlechtern werden am öftesten genannt
die Maler, woher ein Schultheiß Maler 1565; Seitz 1568, (Schwarzhannes
genannt); Veihel (Schultheiß 1567), sodann Störzer, Schneider,
Stenglin, Vollmar (1596), Gratz, Teus, Reisch genannt Zimmerklos, Huß,
Blum, Dittes, Fies. Die letzteren Namen leben vielleicht noch fort in
den Ortsbezeichnungen Blumersau, Dittenbronnen, Fießengarten. Andere
Geschlechter wandern eben um diese Zeit erst ein, wie dieß nachzuweisen
ist von den Seifried, die von Simmersfeld herstammend 1576 von Oberkollbach
hereinziehen; Kleber (Klaiber), die von Naislach, Riexinger, die von
Rotensol, Walz, die von Breitenberg und Kusterer, (Conrad), die von Loffenau
kommen. Auch jetzt bestehende Namen scheinen damals erst neu sich gebildet
zu haben, wenn z.B. zu Jakob Bernhard beigefügt ist: genannt Funkh.
In Höfen ist besonders die Familie Laub (Loub) daheim. Auch ihren
Namen trägt ein Feld, die Laubenwiese hinter
dem Rathaus. Eine andere Höfener Familie, die von Jakob Schilling,
genannt Kluckher, wird als „aussätzig“ (leprosi) bezeichnet,
und wohnt im Gutleuthäuslein zu Calmbach, ohne Zweifel einem beiden
Orten gemeinsamen Armenhaus, das leider verschwunden ist, das wir aber
etwa auf der Wart zu suchen haben könnten.
Beide Orte gehören in bürgerlicher Beziehung zum Amte Neuenbürg,
in kirchlicher Beziehung zu Wildbad in der Art, daß der Helfer
zu Wildbad - dazu ist nun in protestantischer Zeit der ehemalige Caplan
geworden - zugleich Pfarrer von Calmbach ist, welches somit zu dieser
Zeit schon als Pfarrdorf erscheint, zu welchem Höfen als Filial
gehört.
Die ganze Reihe von Geistlichen vom Jahre 1560 an ist verzeichnet in
einem der Calmbacher Kirchenbücher. Auffallend ist bei derselben
der außerordentlich rasche Wechsel und die kurze Zeit, die jeder
bleibt, so daß in das 16. Jahrhundert folgende Pfarrer von Calmbach
fallen:
Erster evangelischer Geistlicher der Gemeinde, zur Zeit des Dekans Christoph
Herger ist
Johannes Zais 1558-1565 (nach Strümpfelbach bef.)
Johannes Dold von Möringen 1565-1568.
Georg Hala 1568-1569.
Leonhard Seitz 19. April 1569.
M. Zimpert Schillinger von Pfullingen, 8. Dez. 1573, im Jahr 1576 am
22. März nach Eningen bei Reutlingen versetzt, wo er in demselben
Jahre an der Pest stirbt.
Johannes Kreylin 24. März 1576.
Georg Wörling 10. Febr. 1578.
Ludwig Weickersreuter 6. März 1583.
Martin Cläß 19. März 1585.
Ludwig Leipzig 17. Dez. 1586.
Melchior Münster 2. Nov. 1591.
Christoph Ziegelhäuser 26. Dez. 1594.
Andreas Kern, Schulmeisters Sohn von Tübingen 1599.
Offenbar war diesem häufigen Wechsel nach ihre Stellung mehr die
eines Vikars, als eines Helfers im jetzigen Sinn. Auch die Schultheißen
von Calmbach sind vom Jahr 1560 an bekannt. Der Erste ist Christoph Vehel,
als alt Schultheiß bezeichnet und zur Ruhe gesetzt, 1567. Ihm folgt
bis 1569 Jakob Maler, sodann Moritz Bodamer bis 1590; Johann Seifried
bis 1595 und Bernhard Kleinbub bis 1625. Der Hof hat noch keine eigene
Obrigkeit gehabt.
Als die Hauptnahrungsquelle für die Einwohner von beiden Orten ergibt
sich auch aus den Kirchenbüchern das Holzflößen; wenigstens
sind die häufigst vorkommenden Gewerbsbezeichnungen: Flößer
und Hawer. Aber auch Schiffer werden schon erwähnt, und zwar zuerst
von Neuenbürg, nachher auch von Calmbach. Ohne Zweifel jedoch erstreckten
sich die Floßfahrten für jetzt nur bis gen Pforzheim oder
bis in den Neckar, höchstens bis Heilbronn. Aber schon ist auch
zum Langholzflößen der Scheiterfloß gekommen, schon
1517; und 1540 wird zwischen Würtemberg und Baden ein eigener Vertrag
wegen des Flößens von Scheiterholz auf der Eiach abgeschlossen,
wonach das Klafter 3 fr: 3 hlz. gekostet hat. Im Jahr 1588 aber wird
eine Bestimmung in Beziehung der Floßstraßen-Erhaltung getroffen,
welche theils in die Betheiligung der verschiedenen Uferorte, theils
in den Bestand einiger größeren Floß-Einrichtungen einen
Blick zu thun erlaubt.
„Im Jahr 1587 nemlich, auf Johannis Evangelisten (27. Dez.) hat sich im
Wildbader Forst ein geschwind unversehen zorniger und wüthig Guß und
Wasser auf der groß und klein Enz nicht weniger auch in der Bach,
Eiach genannt, zugetragen, daß dadurch Stein und Felsen abgerissen,
und die Floßgaß zerstört und mit Kies verflößt
und die Wehre ausgehoben, Güter weggerissen, so daß Arme und
Reiche ihre Handthierung nicht mehr haben treiben können, der gemeine
Nutz verhindert, allerlei Streit und Zwietracht, auch Schlaghandlung
zugetragen und groß Gotteslästerung sich vielfältig begeben.“
In Folge dieses Unglücks und tiefer Zerstörung nun wird 1588
eine Commission bestellt zu Begutachtung des Schadens, der den Flößern,
Schiffern und Sägmühlbesitzern zugewachsen sey. In dieser Commission
sind unter anderm Moritz Bodamer, Schultheiß von Calmbach und „Anstätt“ Schaidt; das Ergebnis derselben ist die Bestimmung
in Betreff der Erhaltung der Floßstraße, daß auf der
kleinen Enz vom dürren Grund bis zum Einfluß derselben in
die große Enz die Gemeinde Calmbach zu räumen habe, auf der
großen Enz müsse Enzklösterle den Calmbachern und Wildbadern
räumen bis zur Kälbermühle, die Wildbader und Calmbacher
abwärts bis zur Bömliswag, (die hier zuerst genannt wird; Wag
d.h. Gumpen, Tiefe, Strudel.) „dabei schon die kleine Enz Bau-,
Floß- und Brennholz auch ander geschnitten Zeug aufschneidet“,
wo also schon eine Sägmühle steht. Abwärts haben die Schiffer
zu räumen bis Neuenbürg, da sich Würtemberg und die Grafschaft
scheidet, genannt im „Theeeinfurth“ (?). Für die Bömlessägmühle
wird zugleich bestimmt, daß „uf Bömleswag alles Holz,
so da fürab geflöst oder uf der Achs dahin geführt wird,
wie von Alters her mit Urkund uf Gegenhölzer geschnitten und nichts
zum Vortheil oder Anderer Nutzen dahintengelassen oder unverzollt passiert
werden solle. Damit war die Bömleswag als erste Zollstation auf
der Enz bezeichnet.
Was nun die Umgegend betrifft, so ist auffallend, wie wenig in den Kirchenbüchern
außer Neuenbürg und Wildbad andere benachbarte Orte genannt
werden. Die Ursache lag ohne Zweifel darin, daß dieselben eben
meist über der Grenze lagen, wie z.B. Schömberg und das ganze
Liebenzeller Amt. Ganz besonders geschieht gar keine Meldung von dem
Orte, der jedenfalls der nächstgelegene gewesen seyn muß,
dem Schlosse oder Dorfe Eiberg. Doch muß dasselbe ums Jahr 1560
noch vorhanden gewesen seyn; denn die in diesem Jahr herausgekommene
Geographie des Baslers Sebastian Münster nennt sich markgräfliches
Bergschloß Eiberg. Allein es ist vielleicht schon damals unbewohnt
gewesen; wenn aber das Dorf von dem noch Mauerspuren zu sehen sind, noch
stand, so läßt sich das Schweigen von demselben, also auch
der geringere Verkehr mit demselben dadurch erklären, daß es
als badisches Besitzthum nach dem gleichfalls badischen Schömberg
eingepfarrt war, wohin ein noch heute als Kirchweg bezeichneter Fußpfad über
Berg und Thal geführt haben soll.
Um so lebhafter war aber allerdings der Verkehr, in welchem Calmbach
mit Wildbad stand, was sich besonders daraus ergibt, daß die meisten
Gevatterleute für Calmbacher Kinder dort geholt werden, obgleich
die Taufen alle, namentlich auch die von Höfen, in der Calmbacher
Kirche vorgenommen werden. Merkwürdig aber ist besonders das Vertrauen,
das beide Orte den Badgästen, vorzüglich den im Bad anwesenden
hohen Herrschaften zuwandten, indem sie diese zu Taufpathen ihrer Kinder
gewannen. Nicht leicht wird irgendwo ein Taufbuch so viele vornehme Namen
enthalten, als das von Calmbach aus dieser Periode. Zugleich kann es
auch zur Nachweisung des starken Besuchs von Wildbad Seitens der höheren
Herrschaften dienen. Da wird unter ändern Taufzeugen genannt 5.
Mai 1567 die durchlauchtig hochgeborene Frau Anna, Jörg Hans, Pfalzgraven
ehelich Gemahl, 1569 Herr Adam von Altdorf des Johanniter-Ordens zu Malta
Commenthur, 1576 30. Mai der durchlauchtig Herzog Wilhelm, Landgraf zu
Hessen, mit der durchl. Frau Ursula, Herzogin zu Würtemberg; 1571
Carolas, Markgraf zu Baden, 1581 Ernestus Friedrich, Markgraf von Durlach,
und Frau Egloff von Pappenheim Gemal, 1578 Ludwig Graf von Löwenstein;
1578 die hochgeb. Fürstin und Frau, Caroli, Pfalzgräfin zu
Baden Wittwe; Herr Georg von Fronsberg; 1594 Martinas Crusius, der berühmte
Tübinger Professor, der, so lange die Universität der Pest
wegen von Tübingen nach Calw geflüchtet war, (wie schon 1530
nach Neuenbürg) das Wildbad besuchte, und andere mehr.
Indessen änderten sich auch die Grenzverhältnisse. Im Jahr
1598 kamen durch Herzog Friedrich die letzten Straubenhardt sehen Besitzungen
und somit alle Dörfer des jetzigen Neuenbürger Amts auf der
linken Seite der Enz mit allen ihren Gerechtigkeiten an Würtemberg
und zwar so, daß bei einzelnen badischen Lehen der Boden zwar würtembergisches
Besitzthum, der Ertrag desselben aber besonders an Wald Eigenthum des
Lehensträgers blieb, wie überhaupt Würtemberg die Gerechtigkeiten
anerkannte, die auf einzelnen badischen Lehen hafteten. Dieß war
z.B. besonders der Fall bei den noch heute sogenannten Lehenwäldern
und der Lehensägmühle im Eyachthal, welche aus dem dazugehörigen
Walde jährlich um den überaus geringen Preis von je 7 fr. 400
Klötze empfangen sollte, aber auch zu empfangen die Verpflichtung
hatte, und was solche Rechte und Verbindlichkeiten mehr waren. Von solchen
Lehen kommt ohne Zweifel der Name des Geschlechtes Lehmann her, der von
nun an auch in den Calmbacher Kirchenbüchern nicht selten ist.
Weitere neue Namen sind die Heigelin, welche aus der Gegend von Riedlingen,
die Werner, welche von Buchenbronn, die Müller, die von Wildbad
her einwandern. Neben ihnen Volz, Dürr 1602, Kettner, eine Familie
Durchdenbach, eine andere Jakob König, mit dem Beinamen „zum
neuen Haus“. In Höfen erscheinen zum erstenmal die Großmänner.
Im Jahr 1603 endlich tauschte Herzog Friedrich mit Altensteig auch Liebenzell
samt seinem ganzen Amte von Baden ein. Dadurch wurde Calmbach jetzt auf
allen Seiten von würtembergischem Land umgeben, und der Dittenbronner
Teich und der Fischerpfad u.s.w. zwischen Calmbach und der Tannmühle
hörte auf Landesgrenze zu seyn. Die Jagd erfreute damals wiederum
einen würtembergi-schen Prinzen, der auf dem Neuenbürger Schlosse
saß, den Herzog Magnus, der nachher bei Wimpfen das Leben verlor.
Die Pfarrer aus dieser Periode sind:
Andreas Kern bis 1606.
Bartholomäus Gersler 27. März 1606.
Wilhelm Algeyer 25. Nov. 1608.
Alexander Brenz 1613.
Wierich Wieland 1617.
Ebermaier von Tübingen 1626-1631.
Schultheiß ist ums Jahr 1611 Balthasar Huß; 1625 Bernhard
Kleinbub, bis 1627 Johann Dreher und bis 1634 Georg Vollmer.
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