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Fritz Barth
Pfarrer Carl Maximilian Eifert - Lebensdaten
Im 2. Hauptteil des Generalmagisterbuchs im Ev. Landeskirchlichen Archivs Stuttgart und
Bestand A 27 (Personalakte) sind seine Lebensdaten in kurzen Worten festgehalten. Sie bedurften daher noch weiteren
Nachforschungen.
Carl Maximilian Eifert wurde am 1. Juni 1808 in Tübingen geboren. Sein Vater Ernst Traugott Eifert war dort Buchdrucker
und Lehrer der französischen Sprache, die er bei seinem 4 jährigen Aufenthalt in Paris, während der Französischen
Revolution, vervollkommnet hatte.
Seine Mutter war Wilhelmina Heinrike geb. Pfeiffer. Nach Schulausbildung in Tübingen und Stuttgart und
Theologie-Studium in Tübingen war Carl Maximilian Eifert zunächst Lehrer in Stetten im Remstal. Von 1835-1836 war er
Vikar in Neckarhausen. Beim Grafen Mandelsloh in Urach war er 2 Jahre, von 1836-1838, Hofmeister. Pfarrverweser war
Eifert in Honau von 1838-1840.
Nachdem der erste eigene Pfarrer von Calmbach mit Filial Höfen Carl Eb von Ilsfeld im Nov.1839 sein Amt antrat und
bereits am 6. Jan. 1840 verstorben ist, wurde Carl Maximilian Eifert zunächst Amtsverweser und ab 4. März 1840 der
zweite Pfarrer unseres Kirchspiels. Am 12. Mai 1840 hat er sich mit Auguste Adelgunde Hoffmann (geb. 16.3.1816)
verheiratet. Sein Schwiegervater war Pfarrer Friedrich August Hoffmann.
Aus der glücklichen Ehe gingen 2 Söhne und 1 Tochter hervor. Nach seinen eigenen Eintragungen gab es laut Kirchenbuch
noch 3 Anonyma (Totgeborene).
Der 1. Sohn Maximilian August Traugott wurde am 28. Jan. 1843 in Calmbach geboren. Nach mehreren Pfarrvikar- und
Pfarrverweserstellen wurde er Rektor des Schullehrerseminars in Nürtingen mit dem Titel eines Professors.
Seine einzige Tochter Marie Anna Adelgunde wurde am 23. Nov. 1846 in Calmbach geboren, Sie war kränklich, blieb ledig
und kam später in der Anstalt Schussenried unter.
In diesem Zusammenhang ist ein Testamentszettel der Wilhelmine von Lutz (Gemahlin des Calmbacher Dorfheldens Christian
Friedr. von Lutz) interessant, der folgendes enthielt: „Ursprünglich sollten den Kindern von Pfarrer Eifert 300
Gulden werden. Da aber die zwei Herren Söhne gute Anstellungen haben, so wünsche ich, daß alle 300 Gulden der Tochter
Marie zugute kommen.“
9 Jahre, bis 1849, war Carl Maximilian Eifert Pfarrer in Calmbach mit Filial Höfen und entfaltete eine segensreiche
Tätigkeit in beiden Orten. In den Jahren 1845-1847 mußte eine große Notzeit überwunden werden, als jeweils die
Kartoffelernten fehlschlugen und eine Suppenküche zur Speisung von 80 armen Kindern eingerichtet werden mußte.
In den Jahren seines Hierseins organisierte Pfarrer Eifert zusammen mit dem Schulmeister Kinderfeste. Er begleitete die
Gründung einer Abendschule und eines Gesangvereins mit Wohlwollen, obwohl er beim letzteren meinte:
“…daß sich das
Waldgeschrei von selber lernt“.
Ferner bildeten sich in seiner Amtszeit und unter seiner tatkräftigen Mitwirkung neben Leseverein, Kaffeekränzchen,
Vollmondkränzchen, Veteranenverein auch ein Krankenkochverein. Schon damals zum 25 jährigen Regierungsjubiläum von
König Wilhelm I im Jahre 1841 wurde der Versuch unternommen, in Calmbach eine Flößer- und Hauertracht einzuführen.
Der Versuch scheiterte an den hohen Kosten.
Wie ein Genosse seiner Burschenschaft einem jungen Reporter des Schwäbischen Merkur erzählte, war Eifert schon seit
1819 ein begeisterter Anhänger der Turnbewegung des Friedrich Ludwig Jahns und betrieb damals selbst Leibesübungen.
Als Student leitete er das Turnen der Lyzeisten und machte Turnfahrten mit ihnen. Was wäre gewesen, wenn Eifert schon
1840 in Calmbach einen Turnverein gegründet hätte? Aber ich glaube, die Zeit dazu war damals in Calmbach noch nicht
reif und von kirchlich übergeordneten Stellen wäre dies nicht akzeptiert worden. Noch 1891, als dann endlich der
Turnverein Calmbach gegründet wurde, hörte man noch sonntags von den Frauen und älteren Bürgern:
„Ihr tätet
gscheider in die Kirche zu gehen, als da herumzuhopfen“.
Pfarrer Eifert wandte sich damals entschieden gegen die seiner Ansicht nach betrübenden religiösen Mißstände die von
Möttlingen herüber drangen. Dort betrieb Pfarrer Blumhardt spektakuläre Dämonen- und Teufelsaustreibungen. Der
2jährige Kampf des Pfarrers Blumhardt gegen die Dämonen in der Gottliebin Dittus und ihrer Geschwister soll damals
laut vielen Büchern und Zeitzeugen siegreich geendet haben. Mit „Jesus siegt“ soll dem Spuk ein Ende bereitet
worden sein.
Die dabei beobachteten Materialisationen geben noch heute ein Rätsel auf. In seiner
„Geschichte von Calmbach und
Höfen“ beschreibt Eifert wie er eine evtl. ähnliche Sache anging.
Verstärkt wurden Bibelstunden, besonders gegen die Verführungen des Aberglaubens, abgehalten.
Pfarrer Eifert gründete einen Unterstützungsverein für verunglückte Flößer, der auf Anhieb 101 Mitglieder hatte,
aber dem wegen der vielen Unglücksfälle bald das Geld ausging.
Pfarrer Eifert wirkte auch aktiv bei den Wahlversammlungen zur Aufstellung der Kandidaten zur Deutschen
Nationalversammlung mit. Eifert stand, besonders in seinen jüngeren Jahren, politisch auf der Linie der
nationalgesinnten, nach deutscher Einheit unter preußischer (aber auch evangelischer) Vorherrschaft Strebenden. Das
metternich-habsburgische (überwiegend katholische) Reich lehnte er ab. Sein Hoffen galt:
„Einig Volk? Deutschheit
und Vaterland“.
Wie Friedrich Ludwig Jahn konnte er ausrufen: „Erköre mir kein ander’ Land zum Vaterland, ständ’ mir auch frei die
große Wahl“.
Friedrich Ludwig Jahn, Pfarrer Eifert und die Burschenschaften wollten nicht das Habsburgerreich mit den vielen Völkern
und 7 Sprachen, sondern aus den deutschsprachigen Kleinstaaten ein einheitliches Reich mitgestalten und ihm eine
fortschrittliche Verfassung geben.
Am 24. Jan. 1849 wurde Pfarrer Eifert von der Universität Tübingen zum Bedauern seiner bisherigen Gemeinde zum Pfarrer
von Eningen unter Achalm berufen.
Erst nach seinem Wegzug brachte die Stiftungspflege Calmbach seine „Nachrichten von Calmbach und Höfen“ heraus. Es war das erste Heimatbuch über die geschichtsträchtigen Orte des oberen Enztals. Neben reichem
Quellenstudium erhielt Pfarrer Eifert auch viele mündliche Überlieferungen durch ältere Bürger. Daher mag manches
etwas heroisiert erscheinen. Tut aber in den Grundzügen dem heimatgeschichtlichen Werk keinen Abtrag. Alle bisherigen
Heimatforscher, wie Friedrich Fick, Karl Roos usw. bauten ihre Abhandlungen neben ergänzenden Forschungen, auf der
Schrift von Eifert auf. Nichts Wesentliches mußte bisher korrigiert werden.
Sein 2. Sohn Richard Karl Traugott wurde am 16. Okt. 1853 in Eningen geboren. Er wurde Revierförster in Waldenbuch,
studierte Forstwirtschaft und erhielt eine Professur in Hohenheim.
Wie aus den Akten des landeskirchlichen Archivs weiter hervorgeht, erwarb sich Carl Maximilian Eifert auch in Eningen
große, bleibende Verdienste. Für seine seelsorgerische und helfende Tätigkeit wurde er 1871 mit dem Königin
Olga-Orden und 1874 mit dem Ritterkreuz des Friedrich-Ordens I. Klasse ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde er zum
Ehrenbürger von Eningen ernannt.
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Familie Eifert um 1876
Sitzend: in der
Mitte Pfarrer Carl Maximilian Eifert, links seine Frau Auguste Adelgunde
geb. Hoffmann,
rechts Marie
Luise Eifert geb. Amos.
Stehend von links: Tochter Marie Anna Adelgunde Eifert und die Söhne
Prof. Maximilian August Traugott Eifert und Prof.
Richard Carl Traugott Eifert. |
In Eningen hat er sich ebenso wie vorher in seiner Pfarrei in Calmbach schriftstellerisch betätigt. Er schrieb dort
1846 „Wahrzeichen von Tübingen“, 1849 „Geschichte von Tübingen“, ein
„Namensbüchlein“ mit den gebräuchlichsten Vornamen und den entspr. Erklärungen, 1862 „Der Führer auf die Achalm“, 1878
„Führer durch Reutlingen“.
32 Jahre bis zu seiner Pensionierung 1881 durfte Pfarrer Eifert sein Seelsorgeramt in Eningen unter Achalm ausüben,
Vielen Bedürftigen konnte er helfen.
Seine treue Lebensgefährtin Auguste Adelgunde ist am 15. Aug. 1877 verschieden.
Eine längere Krankheit ließ seine Kraft erlahmen. Nach seiner Pensionierung ist er zu seinem Sohn nach Nürtingen und
nach dessen Versetzung nach Künzelsau gezogen.
Am Heiligen Abend, dem 24. Dez. 1888, ist Carl Maximilian Eifert im Hause seines Sohnes Maximilian August Traugott in
Künzelsau, nach einem mehr als erfüllten Leben, verschieden. Nur 7 Jahre Ruhestand waren ihm vergönnt.
Durch seine führsorgende Tätigkeit in den Pfarrstellen Calmbach/Höfen und
Eningen/Achalm und besonders durch seine
schriftstellerischen Werke bleibt er unvergessen.
Die frühere selbständige Gemeinde Calmbach hat in der Neubausiedlung Brennerau eine Straße nach ihm benannt.
In Eningen erinnert die Eiferthöhe an den beliebten Seelsorger.
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