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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)

Wie das Christenthum in die Gegend kommt
und wie Calmbach bekannt wird.

Die Alemannen wurden in der Schlacht bei Zülpich im jetzigen Rheinpreußen von dem Frankenkönig Chlodwig, 496 n.Chr. überwunden und unterjocht. Die östlichen Gegenden blieben unter fränkischer Herrschaft noch ein Herzogthum Alemannien; unser Theil des Schwarzwaldes aber wurde von demselben losgetrennt, und gänzlich dem fränkischen Reiche einverleibt, als ein Theil des Herzogthums Rheinfranken oder Deutschfranken, auch zum Theil nun durch Angehörige des fränkischen Stammes bevölkert.

Mit den Franken kam das Christenthum zu den Alemannen; unter ihrem Schutze predigte es auf dem oberen Schwarzwald der irische Mönch Fridolin 538; in den untern Schwarzwald kam es von Speyer herauf. Daß die Alemannen am Ende des 7. Jahrhunderts schon vollkommen Christen waren, beweisen die um diese Zeit verfaßten Gesetzbücher derselben, welche überall das Christenthum voraussetzen. In Calw steht um jene Zeit schon eine Kirche des heil. Nikolaus. Die ganze Gegend gehörte in kirchlicher Beziehung jetzt und in der nächstfolgenden Zeit zum Sprengel von Speyer, welcher die Strecke vom Rheine herein bis zur Nagold und bis zum Kniebis umfaßte, und dort mit der Constanzer Diözese zusammengrenzte, und zwar zum Archidiaconat St. Guido, Landkapitel Weil. {Würdtwein subs. Diplom X, 339.)

Ueber der politischen Beziehung des Enzthales aber liegt ein merkwürdiges Dunkel. Unter den Franken nemlich wurde das Land in verschiedene Gaue getheilt, wovon drei sich in den Schwarzwald hinein streckten, der Albgau um das Albflüßchen her, der obere Enzgau, (während der untere oder eigentliche Enzgau Vaihingen zum Mittelpunkt hatte) und der Wirmgau mit Wirm und unterer Nagold. Zu vermuthen ist nun, daß unsere Gegend dem Enzgau zugerechnet wurde, doch ist urkundlich gar nichts darüber festgestellt, da sämmtliche Oerter des Enzthals erst später - Neuenbürg erst 1071, Wildbad erst im 14. Jahrhundert - genannt werden. Wahrscheinlich bildete übrigens die Enz den Grenzgraben zwischen allen genannten Gauen; denn der Albgau gieng ohne Zweifel über den Eiberg - von Ew, Eu d.h. Grenze, so daß Eiberg gleichbedeutend wäre mit Grenzberg - bis an die große Enz, der Wirmgau, zu dem entschieden Hirsau, Altburg und die Nachbarschaft gehörte, erstreckte sich bis zur kleinen Enz, und zwischen beiden herein hätte sich in schmalen Streifen der Enzgau über die Gegend von Wildbad und den Meistern ausgedehnt. Demnach wäre gerade die Stätte, welche Calmbach jetzt einnimmt, der Grenzknoten gewesen und hätte sich an die drei Gaue vertheilt. Gehörte es zum Enzgau, so herrschte darüber in der fränkischen Zeit 902 der Graf Walaho.

Späterhin gehörte der Wirmgau und der Enzgau (neben dem Nagoldgau und Murrgau) den Edelknechten, nachmaligen Grafen von Calw und Ingrisheim; der Albgau stand unter den wahrscheinlich auch mit Calw verwandten Grafen von Eberstein. Ist nun die oben ausgeführte Vermuthung richtig, so war Ebersteinisch, was links von der Enz lag, Calwisch, was rechts von derselben war, und wenn damals schon ein Dorf auf dem Boden des jetzigen Calmbach stand, so hat das innere und äußere Dorf Unterthanen von Calw, die Wart aber Ebersteinische Leute gehabt.

Im Jahre 645 aber, so erzählt die Sage, lebte zu Calw eine fromme Frau mit Namen Helizena, eine Schwester der schon vorhandenen Edelknechte von Calw. Diese baute an einer Stelle, welche ihr im Traum bezeichnet worden war, dem heiligen Nazarius eine kleine Kirche auf dem rechten Ufer der Nagold.

Im Jahr 830 zur Zeit Kaiser Ludwigs des Frommen hatte ein Graf Erlafried von Calw einen Sohn Nottung, welcher Bischoff von Vercelli wurde. Dieser brachte einst bei einem Besuch, den er in seiner Heimath machte, seinem Vater als Geschenk den Leichnam des heiligen Aurelius von Mailand mit, und das Kirchlein der Helizena wurde zur Stätte ausersehen; da die Reliquie ruhen sollte. Allein das Kirchlein erschien für einen so großen Heiligen, der noch im Tode Blinde sehend machte, viel zu klein, und in seiner Herzensfreude stiftete Graf Erlafried zu würdigerer Aufnahme des heil. Leichnams in der Nähe jenes Kirchleins das Kloster Hirsau mit großem Aufwand. Es wurde vollendet im fahr 838 und. 15 Benediktiner Mönche bezogen es als seine ersten Bewohner. Zu seiner Ausstattung schenkte ihm der Graf verschiedene Ortschaften und unter diesen wird nun in der Stiftungs-Urkunde Cod. Hirsaugiens. p. 20, 25 auch eine villula Calenbach, d.h. der Weiler Calmbach genannt, und damit vom Daseyn dieses Ortes die erste Nachricht gegeben.

Die andern Ortschaften sind: Stammheim mit seinen Höfen, Deckenpfronn, 12 Stuben von Gültstein, Meuchingen (Maichingen), Muchingen, Döffingen, Lützenhardt, Altburg, Eberspiel, Lützelhardt, Kugelbach (Colbach), Nageltart (verschollen), Ottenbronn, Hugstetten, Humbrechtsweiler (verschollen), Altenburen halb, (ungewiß) und alle Wälder vom Fluß Deinach bis an den untern Reichenbach. Manche dieser Ortschaften sind nicht mehr zu finden.

So war also Calmbach zu jener Zeit schon als Weiler vorhanden.

Woher es seinen Namen habe, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich vom Calmbächlein. Allein wie kam das Bächlein zu dem Namen? Ohne Zweifel hing er zusammen mit dem Namen des Berges, aus dem es entspringt, Kälbling, und weist dieser Name auf Kalb zurück, so hieß es vielleicht ursprünglich Kalb-bach. Oder hieng es mit dem Namen Calw zusammen und hieß Calw-bach, als der Calwer Grenzbach, der es nur Anfangs nicht war. Oder hieß es Kaltenbach und wurde in Kalmbach zusammengezogen. Die älteste Schreibart ist Kallenbach, Callbach, Calbach, endlich Calmbach. *)

Zum zweitenmal sollte man erwarten, Calmbach ums Jahr 1057 genannt zu finden. Der Graf Albrecht von Calw nemlich (Chalawa) hatte ums Jahr 990 die Güter von Hirsau größtentheils wieder an sich gezogen und das Kloster in Zerfall, gebracht; es blieb 60 Jahre lang leer stehen. **)

Da machte der Papst Leo IX; ein Vetter der Calwer Grafen, auf einer Reise durch Deutschland einen Besuch bei seinem Verwandten Adelbert (Aß im Bart) in Calw 1050. Als er das Schicksal des Klosters erfuhr, befahl er dem Grafen mit Ernst seine Wiederherstellung, die derselbe auch kniefällig versprach. Zwar verzögerte er noch lang die Herausgabe der entzogenen Güter, allein auf Betreiben des gewaltigen Abtes Wilhelm, stellte er endlich einen neuen Stiftsbrief darüber aus. Bei dieser Gelegenheit werden nun alle Güter aufgezählt, welche zu Hirsau gehörten; Calmbach aber ist nicht darunter. Allein vielleicht ist es nur mit einem anderen Namen bezeichnet. Es heißt nemlich unter anderem: der Graf gab zurück die Weiler Grezenbach und Blanda. Ortschaften dieses Namens sucht man vergeblich. Stälin verlegt den Weiler Blanda in die Nähe von Weil der Stadt; zu finden ist er nicht mehr. In der Nähe von Calmbach aber ist das Blendenbächlein, das mit dem Würzbach in die kleine Enz fließt; könnten nicht unter den Gütern ad Blandam Güter gemeint seyn, die an diesem Wässerchen lagen? ebenso werden ihnen gegenüber genannt Güter zu Thanbach. Der Thanbach aber ist schwerlich etwas Anderes als der aus dem Tann (Than) herfließende Calmbach; so hätten vielleicht diese Parzellen alle kürzer wie früher mit dem Namen Calmbach bezeichnet werden können.
 
Ganz deutlich aber wird Calmbach genannt in der früheren Verbindung mit Hirsau im Jahr 1100, wo eine Gräfin Richlind dem Kloster 6 Hüben und 6 Leibeigene, „ad Calenbach“ schenkt cod. Hirs. -p. 32, wobei zu bemerken ist, daß eine Hube so viel Feld ist als ein Bauer das Jahr hindurch mit einem Gespann bauen kann, also ein kleines Bauerngut, das seine Familie nährt, und zweitens, daß damals die größte Menge der Unterthanen aus Leibeigenen bestand.
 
*) Woher kommt, um gelegentlich zu fragen, der Name Enz? Es heißt so viel als Quell, und ist verwandt einerseits mit der Vorsilbe Ent- welche immer einen Ursprung bedeutet, z.B. entstehen, andererseits mit dem Worte Etz oder Atz, welches Wasser bedeutet. z.B. Fischatz, Ech-atz. Vergl. das lateinische fons.
 
**) In diese Zeit verlegt die Sage eine anziehende Begebenheit, wodurch die hiesige Gegend an geschichtlichem Interesse gewinnt. Graf Lupold (Liutwald) von Calw hatte den Landfrieden gebrochen und floh vor der Strafe Kaiser Conrads II. in die Wälder. Der Kaiser jagte in der Gegend, kehrte in der Nacht in einer einsamen Mühle ein, derselben, in welcher der flüchtige Graf samt seinem Weibe versteckt lebte, und diese gebar in der Nacht ein Knäblein. Das Schreien desselben mischte sich in einen Traum des Kaisers, in welchem dieser drei Mal eine Stimme sich zurufen hörte: dieser Knabe wird dein Eidam und Erbe werden. Zürnend gab der Kaiser Befehl, das Kind zu tödten; allein die mitleidigen Diener setzen es unter einen Baum und bringen dem Kaiser das Herz eines Hasen. Ein Herzog stößt auf das verlassene Kind, nimmt es zu sich und erzieht es als sein eigen. Wie es herangewachsen ist und im Gefolge des Kaisers erscheint, faßt dieser Verdacht, und sendet den schönen Jüngling mit einem Schreiben an die Kaiserin, worin der Befehl enthalten ist, ihn sogleich tödten zu lassen. Unterweges kehrt der Jüngling bei einem Klausner ein; der öffnet fürwitzig in der Nacht das Schreiben, erschrickt über den schlimmen Befehl, setzt an die Stelle desselben die Worte: Du sollst ihm Deine Tochter zur Gemahlin geben, und schiebt dem Schlafenden den Brief wieder zu, den dieser auch sofort überliefert und zu seiner glücklichsten Ueberraschung von der getäuschten Kaiserin befolgt sieht. Der Kaiser aber erkennt Gottes Führung und fördert seinen Tochtermann als Heinrich III. zum Reiche, 1039.
 

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