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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)
Wie die Bauern aufstehen und was die österreichische Herrschaft
tut.
Unter den Aufrührern des schwäbischen Bundes war einer der
Ersten der Ritter Franz von Sickingen. Zum Lohn für seine Theilnahme
am Krieg gegen Ulrich und als Pfand für seine Kriegskosten erhielt
er Stadt und Amt Neuenbürg. Als zu diesem gehörig sprach er
auch Wildbad und. das ganze Enzthal, somit auch Calmbach an, und ließ sich
am 1. Nov. 1519 als neuem Landesherrn huldigen. Zwar kam im nächsten
Jahre Ulrich wieder und verlangte durch Botschaften nach allen Seiten
hin neue Unterwerfung, aber da seine Sache noch viel zu unsicher war,
wurde sie verweigert. Dagegen verkaufte der schwäbische Bund das
ganze Land an Kaiser Karl V, dieser übergab es seinem Bruder, dem
Erzherzog Ferdinand und. dieser lößte im Jahr 1523 das Pfand.
Neuenbürg von Sickingen wieder ein und blieb der Herr desselben
bis zu Ulrichs Rückkehr.
auch diese Zeit war keine ruhige Zeit; denn nun erhob sich der große
Bauernkrieg, der Aufstand nemlich der Leibeigenen gegen ihre adeligen
Herren in Folge schweren, unerträglichen Drucks, aber auch, weil
sie die nun wieder verkündete evangelische Lehre von der christlichen
Freiheit falsch verstanden. Der Hauptsitz der Empörung war Oberschwaben
und. Franken, aber auch der Schwarzwald betheiligte sich bei diesem Unglück.
Es bildeten sich aus dem Schwarzwald drei sogenannte Haufen. Der eine
zu Bulach, der sich besonders auf der
Kirchweihe zu Neuweiler 1524 verstärkte und sich plündernd
in den oberen Schwarzwald und ins Murgthal warf der zweite zu Rohrdorf
bei Nagold, welcher zuerst bei Wildberg auftrat, sodann 8000 Mann stark
Sulz eroberte und anzündete, und endlich ein dritter, der seine
Zuzüge gemeinschaftlich vom untern Schwarzwald und vom Gäu
erhielt. Wie weit bei dem Einen oder dem Andern gerade das Enzthal vertreten
war, wird nicht berichtet; manche mußten auch wider ihren Willen
mitziehen. Der dritte Haufen, der Gäuhaufen war der nächste,
und durch ihn erlitt, während drüben Herrenalb und. Frauenalb
geplündert wurde, auch Hirsau ungeheuren Schaden. Am 24. April 1525
nemlich rückten 400 Mann von Merklingen daher und. erbaten sich
zuerst nur einen Trunk; drangen aber nachher trotz des Widerspruchs der
Minderzahl ins Kloster um zu plündern, schwelgten im Wein, verschleuderten
das Korn, zerschlugen den Hausrath, trieben das Vieh hinweg oder schlugen
sie es nieder und verursachten so einen Schaden von 16000 fl. So war
unsere Gegend rings vom Sturme umtobt. Indessen währte es nicht
lange. Der Gäuhaufen verband sich mit dem großen Haufen, welcher
Herrenberg belagerte, und welcher die ändern Schwarzwaldhaufen an
sich gezogen hatte. Von Herrenberg aber drückte Georg Truchseß von
Waldburg, der Bauernjörg, mit seinem Heere die ganze Menge in die
Böblinger Ebene, und. schlug sie dort am 12. Mai gänzlich aufs
Haupt. 7000-8000 Bauern blieben todt auf dem Platze, die ändern
zerstreuten sich verzweifelnd in ihre Heimath oder liefen hordenweise
flüchtend über den Schwarzwald Strasburg und. der Schweiz zu,
und damit war der Bauernaufstand in diesen Gegenden zu Ende.
Daß von nun an Ruhe im Thal war, das mag die große Menge
adeliger Herren, Fürsten, Aebte und Ritter beweisen, welche im darauffolgenden
Sommer Wildbad besucht haben sollen (wie auch von 1498 Markgraf Friedrich
von Brandenburg als der dritte bekannte Badgast genannt wird.) Dort war
aber schon im Winter zuvor wieder großes Unglückgeschehen.
Es brach nemlich am Donnerstag nach Epiphaniä 1525 Feuer aus, das
sich schnell nach allen Seiten verbreitete, und 23 Häuser sammt
der Kirche in Asche legte. Es war der obere Theil des Städtchens;
das damals fast ganz aus Wirthshäusern bestand.
Doch sind nicht blos Unruhen und Unglücksfälle aus dieser Zeit
zu Berichten. Ein werthvolles Geschenk machte der Erzherzog Ferdinand
welcher die neuen Unterthanen zu gewinnen suchte, den Ortschaften der
Umgegend, besonders auch Calmbach und seinen Angehörigen, indem
er ihren Einwohnern und Insassen für alle Zeit Baufreiheit im Wildbad
gewährte, wie sie die dortigen Bürger selber hatten. Schon
unzähligen Kranken, besonders solchen, die bei ihren schweren Geschäften
im Wald und auf dem Wasser Verletzungen ihrer Glieder erlitten, ist dadurch
die Heilung erleichtert worden. Nicht umsonst stand daher bis vor wenigen
Jahren auf dem damaligen Marktbronnen zu Wildbad das wohlgetroffene Standbild
des Erzherzogs, das einzige Denkmal der österreichischen Regierung,
das der Dank aufgerichtet hat. *)
Auch der Kaiser Karl V selber erwies der Umgegend eine Wohltat durch
Vermehrung der sogenannten Freiungen. Schon bisher war von Alters her,
schon 1445, eine solche in Neuenbürg gewesen, ein Ort nemlich, in
dessen Grenzen Einer sich flüchten konnte, der eines unvorsätzlichen
Todtschlags schuldig geworden war; dort sollte er sechs Wochen und drei
Tage vor aller Verfolgung sicher seyn. Den Anfang der Freiung zu Neuenbürg
bezeichnete ein Stein in der Mauer auf dem Wege nach Pforzheim. Ebenso
war das Kloster zu Hirsau, und das Wirthshaus zum Lamm daselbst sammt
dem zwischen beiden liegenden Raume eine solche berechtigte Zufluchtstätte.
Nun machte der Kaiser auch Wildbad dazu mit der Bestimmung, daß ein
jeder, „so einen ungevorlichen Todtschlag begangen, und andere,
ausgenommen Mörder und öffentliche Straßenräuber
und dergleichen Uebelthäter, daselbst im Flecken des Wildbads Jahr
und Tag Frieden und Freiung gehabt und gehaben sollen.“ Diese Freiheiten
hatten zu jener Zeit bei noch unvollkommenem Gerichtsverfahren großen
Werth durch Verhinderung von Uebereilungen; sie haben aber nach Herzog
Christophs Zeiten allmählich ihre Geltung verloren.
*) Gegenwärtig liegt das Bild irgendwo in einer Rumpelkammer in
Wildbad; es wäre schon seiner Aehnlichkeit wegen der Erhaltung werth.
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