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C.M. Eifert: „Nachrichten zur Geschichte von Calmbach und Höfen“ (1850)

Was man von der ältesten Zeit weiß oder vermuthet.

Die ältesten Bewohner der Gegend, von denen man etwas Gewisseres weiß, sind Alemannen gewesen, eine Mischung von allerlei deutschen Stämmen, die sich zu einem großen Bunde zusammengethan und am Rhein und im Gebirge ostwärts vom Rhein niedergelassen hatten. Ein Erbstück von diesen Vorfahren, welche nicht gern in größeren Flecken sich häuften, wenn nicht besondere Gründe sie nöthigten den Schutz von Ringmauern zu suchen, ist heute noch die Eigenthümlichkeit der Schwarzwälder, nicht in großen, aber in desto mehr kleinen Dörfern, Weilern und Höfen umher zerstreut zu wohnen; große Dörfer sind nur dort entstanden, wo eine besondere Gelegenheit nothwendig viele Menschen anzog. Das ist etwa bei Calmbach im Laufe der Zeit der Fall gewesen; Höfen deutet seinen Ursprung aus einzelnen Gruppen noch in seinem Namen an.

Auf die Zeit da die Alemannen diese Thäler und Berge bewohnten, weisen vielleicht auch noch die Namen mancher Oertlichkeit zurück und bilden ihre letzten Spuren und Ueberbleibsel. Die Alemannen nemlich als Heiden hatten ihren Gottesdienst in den Wäldern, an den Bächen, auf den Höhen; dort brachten sie im Mondschein ihre Opfer und weideten daselbst ihre heiligen Thiere; daher kommen noch häufig die Benennungen solche Berge und Oerter, z.B. Roßberg, Farrenberg u.s.w. Ihre Götter dachten sie sich als gewaltige Helden und Riesen, oder auch als Wassergespenster, Nixen und Ungeheuer; auch diese haben jenen Gegenden, in welchen ihre Verehrung besonders zu Hause war, ihre Namen hinterlassen oder wenigstens sind von ihnen her allerlei Märchen und Sagen zurückgeblieben von Nixen und Wasserjungfern, von Riesen oder Heimen, Auch sind die Berge, auf welchen die heidnischen Priester und Priesterinnen in besonders heiligen Nächten mit allerlei geheimnisvollen Opferbräuchen ihr Wesen hatten, noch heute eine besondere, von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzte Scheu des Volkes vor ihnen zu erkennen; denn nachdem durch das Christenthum jene heidnischen Gebräuche als Teufelswerk bezeichnet, die Priester und Priesterinnen zu Teufelsdienern, Zauberern, Hexen und Hexenmeistern geworden waren, galten auch jene Opferstätten als Sammelplätze von Hexen und Teufelsgenossen; wo darum ein Hexenberg, ein sogenannter Heuberg, d.h. ein Feuerberg (von Heuen d.h. brennen) gezeigt wird, da darf man annehmen, daß ein heidnisches Heiligthum in der Nähe gewesen sey.

Nun trifft das Alles im Kreise der hiesigen Gegend zu. Die Dennacher Höhe oberhalb des Schwabenstichs ist ein Heuberg; heute noch läßt der Volksaberglaube dort in der ersten Mainacht die Hexen sich sammeln. Der hochragende Mauzenstein bei Herrenalb von dem altdeutschen Mota, Mauta, Mauze d.h. Abgabe, Zoll, Opfer so genannt, ist wahrscheinlich ein alemannisches Opfermal gewesen. Die Sagen von der Teufelsmühle u.s.w. sind Ueberreste des Heidenthums, ebenso am geheimnisvollen wilden See die Sage von den Seeweibchen. Dazu nun scheinen die Bergnamen um Calmbach her mitzugehören. Wie auf der Alb der Roßberg und Farrenberg, so stehen hier der Hengstberg und Kälbling neben einander; wie dort, können auch hier heilige Thiere gehegt worden seyn. Der Heimenhardt heißt in unser jetziges Deutsch übersetzt: der Riesenforst, und die Sage von ungeheuren Riesen, die hier gehaust haben, hat sich so sehr erhalten, daß man sogar erzählt, der letzte dieser Art, zu der auch der Tyrann Erchinger auf der Liebenzeller Burg gehört hätte, sey unter dem größten Felsblock in der Gegend, dem Langenstein auf dem Meistern oder unter dem Altvater begraben, den der Volkswitz als den ältesten der herumliegenden Steine bezeichnet; seine Rüstung aber sollte im Kloster Hirsau liegen. Das könnte wohl so viel heißen, als das Kloster oder das Christentum habe ihn, d.h. seine Verehrung vernichtet und überwunden.

Aus solchen Zeichen ließe sich selbst vermuthen, daß die Gegend von Calmbach für unsre heidnischen Vorfahren sogar eine besondere Bedeutung gehabt haben könnte, und am Ende spräche auch die Gründung des Klosters Hirsau in dieser Nähe dafür, da die ersten Boten des Christenthums sich gerne gerade in der Nachbarschaft der heidnischen Heiligthümer ansiedelten, um dem Götzendienste so nah als möglich zu Leibe zugehen.

Spuren, welche darauf hinwiesen, sind keine vorhanden. Wildbad haben sie nicht gekannt, so nahe sie waren. Denn über das Albflüßchen (Albis) herüber sind sie allerdings gedrungen. In Dobel will man ihre Spuren gefunden haben, - mündliche Nachrichten sprechen von einer dort aufgedeckten Römerstraße mit Quadern; in Gräfenhausen u.s.w. sind ihre Denkmäler, z.B. der Altarstein in der Kirchenecke, noch zu sehen.*) Allein der verworrene Knäuel des Innern der Gebirge scheint sie wenigstens von bleibender Niederlassung zurückgeschreckt zu haben, und ein überragender Punkt zur Befestigung war nicht vorhanden. Selbst den Thurm von Zavelstein, der früher für entschieden römischen Ursprungs galt, versetzen neuere Untersuchungen (Stalin, württ. Gesch.) in die fränkische Zeit.

*) Das Abnobagebirge nannten sie diesen Theil des Schwarzwaldes; und verehrten als seine Inhaberin eine Diana abnoba.
 

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